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Symposium Globalkunst / 29.07.2011–30.07.2011
Ort: Globalkunst / Global Art
Ein Symposium der AICA (Sektionen Österreich und Schweiz) und der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg
Konzept: Sabine B. Vogel und Hildegund Amanshauser
Ort: NEU Hörsaal 230, Juridische Fakultät der Universität Salzburg, Eingang Kapitelgasse 6, 5020 Salzburg

Englisch mit deutscher Betitelung

 

ZUM DOWNLOAD DER VERÖFFENTLICHTEN VORTRÄGE BITTE NACH UNTEN SCROLLEN. Die Verlinkung im Programm führt zum gefilmten Vortrag auf YouTube.


Globalisierung bezeichnet in der Regel einen wirtschaftlichen Prozess. Was aber bedeutet diese weltweite Entwicklung für die Kunst? Stehen wir am Beginn einer neuen Entwicklung, die wir Globalkunst nennen können, und was genau ist darunter zu verstehen? Inwieweit beeinflussen die neuen Lebensbedingungen der Globalität die zeitgenössische Kunst? Kunst ist seit Jahrhunderten international vernetzt, gibt es eine neue Qualität, die die Globalkunst auszeichnet? Wie verhält sich das, was man Globalkunst nennen könnte, zur Postkolonialismusdebatte?

Globalisierung - Globalismus
"Es wird Zeit zur Neuinszenierung der Welt", schreibt die indische Kulturwissenschaftlerin Nancy Adajania und strebt damit einen Zustand an, der "das kulturelle Selbst anderen gegenüber auf eine Art und Weise äussert, die Abhängigkeit vermeidet und Zusammenarbeit begrüsst, um zu einem produktiven Kosmopolitismus beizutragen" (Springerin Heft 1/2010). Die Neuinszenierung zielt also auf eine Gesellschaft ab, deren Zusammenleben auf Austausch und Gegenseitigkeit beruht. Grundlage dieser "Neuinszenierung" ist eine kritische Auseinandersetzung mit der Globalisierung in einem Modus, den Adajania "Globalismus" nennt. Es ist ein bewusster Versuch, das in den Netzwerken der Globalisierung steckende Potential der Doktrin des Neoliberalismus zu entreissen. Für Neoliberale bedeutet Globalismus die nationalstaatliche Politik, die die gesamte Welt als Markt und Quelle von Gütern und Dienstleistungen behandelt. Für Adajania dagegen ist Globalismus ein transkultureller, gemeinschaftlicher, multipartizipatorischer Modus zur Umsetzung von Ideen und Durchführung von Projekten, mit einem Fokus auf ethischer Verantwortung und transformativer Ästhetik. Erweitert der neoliberale Globalismus die Geopolitik der Ersten Welt, so verschiebt Adajanias Globalismus den Schwerpunkt auf den globalen Süden.

Globalkunst - Wunsch oder Wirklichkeit?

Für die Kunst bedeutet die Globalisierung zunächst einmal das Ende der westlichen Hegemonie und den Beginn eines Weltkunstmarkts. Mit der Globalisierung betreten mehr und mehr KünstlerInnen, in Folge Galerien und SammlerInnen aus verschiedenen Kulturkreisen und Regionen den globalen Kunsthandelsmarkt. Auch in den Themenstellungen der Kunstwerke zeichnen sich Einflüsse der Globalisierung deutlich ab.

Wann ist demnach von einer Globalkunst zu sprechen? Bezeichnet Globalkunst ganz generell Kunst, die nicht mehr aus der kulturellen Überlegenheitsperspektive des Westens, sondern aus der Erfahrung von Globalität und unter den Bedingungen der Globalisierung entsteht?

Ist Globalkunst ein Sammelbegriff für Werke, die die Geschichte von Bildern und ihrer weltweiten Ausbreitung nachzeichnen oder sind es jene Werke, die die längst überkommene, geopolitische Aufteilung der Welt in westlich/nicht-westlich überwinden können?

Ist das Kennzeichen von Globalkunst eine visuelle Sprache, die weltweit verstanden werden kann, oder handelt es sich um Werke, die Themen rund um die Globalisierung aufgreifen?

Oder ist Globalkunst der Wunsch nach und das Versprechen einer polyzentrischen Wahrnehmung der Welt, in der explizit Lokales mit Globalem verbunden wird, Traditionen und aktuelle Entwicklungen nebeneinander gestellt werden und kulturhegemoniale Grenzen zur Diskussion stehen?

Diese Fragen werden von TheoretikerInnen und Kü nstlerInnen verhandelt, die den Begriff und die Konzepte einer Globalkunst zu klären versuchen.

ReferentInnen
Nancy Adajania, Kulturtheoretikerin, Kritikerin, freie Kuratorin in Bombay. Künstlerische Kodirektorin der 9. Gwangju Biennale, 2012.

Hans Belting, Kunsthistoriker, Professor em. am Institut für Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe.

Bassam El Baroni, Kurator und Kritiker, lebt in Alexandria, Ägypten. Er ist Mitbegründer und Leiter des gemeinnützigen Kunstraums Alexandria Contemporary Arts Forum (ACAF).

Monica Juneja ist Professorin für Globale Kunstgeschichte am Exzellenzcluster Asien und Europa im globalen Kontext an der Universität Heidelberg.

Jitish Kallat, Künstler, lebt in Mumbai.

Gerardo Mosquera, unabhängiger Kurator, Kritiker und Kunsthistoriker, lebt in Havanna. 2011–2013 ist er künstlerischer Leiter der PHotoEspaña in Madrid.

Senam Okudzeto, Künstlerin, Autorin und Aktivistin, Gründerin von Art in Social Structures, einer NGO für kulturelle Bildung und Erhaltung des kulturellen Erbes in Ghana.

ModeratorInnen
Hildegund Amanshauser, Kunsthistorikerin, Kuratorin, Autorin. Seit 2009 Direktorin der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg. www.amanshauser.net

Sabine B. Vogel, lebt in Klosterneuburg, freie Kuratorin und Kunstkritikerin, seit 2008 Präsidentin der AICA Austria.

Simone Wille, Kunsthistorikerin und Kunstschriftstellerin, lebt derzeit in Wien, schreibt regelmässig u.a. für Neue Zürcher Zeitung (NZZ), www.universes-in-universe und Art Nukta.

DiskussionsteilnehmerInnen
Peter Friedl
, siehe hier
Maria Lind, siehe hier

Ablauf

Freitag 29. Juli
16 Uhr
Begrüssung, Einführung
Hildegund Amanshauser, Sabine B. Vogel

1. Sektion: Was ist die Geschichte der Globalkunst, internationaler Beziehungen zwischen verschiedenen Kunstwelten und was ist Globalkunstgeschichte?
16.30 Uhr
Hans Belting World art and global art. A new challenge to art history
17.30 Uhr
Monica Juneja
Art history’s new atlas of belonging
18.30 Uhr Pause
19 Uhr Diskussion Hans Belting, Peter Friedl, Monica Juneja
Moderation: Hildegund Amanshauser

Samstag 30. Juli
2. Sektion: Was ist Globalkunst? Was sind Neue Möglichkeiten? Was ist das Neue an der Globalkunst?
10 Uhr
Nancy Adajania In the age of Babel, the conspectual approach to global art can only be a vexed one
11 Uhr
Gerardo Mosquera Beyond anthropophagia: art, anternationalization and cultural dynamics
12 Uhr Diskussion Nancy Adajania, Maria Lind, Gerardo Mosquera
Moderation: Sabine B. Vogel

13 Uhr Mittagspause

3. Sektion: Was ist das Verhältnis zwischen Globalkunst und regionalen Entwicklungen (Global-Lokal-Interdependenz)?
15 Uhr
Jitish Kallat GPS Coding the imagination: can you tell where the artist is looking?
16 Uhr
Bassam El Baroni The art that does not make it internationally: key reasons revealed
17 Uhr Pause
17.30 Uhr
Senam Okudzeto Art, ego and effectiveness: constructive challenges for social sculpture in the age of social networking
18.30 Uhr Diskussion Bassam El Baroni, Jitish Kallat, Senam Okudzeto
Moderation: Simone Wille