Ein Schauraum oder Schaufenster gibt Einblick in das Programm oder Angebot des Ausstellenden. Miteiner kleinen, gezielten Auswahl wird Neugierde und Interesse dafür geweckt, was darüber hinaus zu sehen und zu entdecken ist. Die Ausstellung Schauraum in der Galerie der KG FreiRäume hat eine ähnliche Funktion. Sie bietet den AssistentInnen der in Hallein für die Internationale Sommerakademie lehrenden KünstlerInnen die Möglichkeiten, den Studierenden und einem interessierten Publikum vor Ort, einen Eindruck von ihrer aktuellen Arbeit zu vermitteln. Gleichzeitig wird die eigentliche Tätigkeit der AssistentInnen – das künstlerische Schaffen – in den Vordergrund gerückt. Die KG FreiRäume ist eine seit Jahren in der Region verankerte Gemeinschaft Halleiner KünstlerInnen.
Eröffnung: Dienstag 16. August 2011 20 Uhr
Ausstellungsdauer: 17.–26. August 2011
Öffnungszeiten: Mittwoch 17–21 Uhr,
Samstag 20. August 10–13 Uhr,
Freitag 26. August 10–18 Uhr
Bernadette Anzengruber
In einer Einstellung ohne Schnitt hält die Kamera das Geschehen am Trafalgar Square in London fest. Allerdings nicht das touristische Treiben vor der Nationalgalerie, sondern das rege Treiben der Möwen auf der Statue von Sir Henry Havelock. Dem im 19. Jahrhundert Kolonialkriege führenden Generalmajor, einst Held des British Empire, wird von den Vögeln mit wenig Respekt begegnet. Sie eignen sich die Statue als Landeplatz an, umkämpfen sie und verlassen sie schließlich, um weiterzuziehen. Damit schafft Anzengruber einen Moment, der der Statue ihre Heldenhaftigkeit nimmt und sie in die Passivität zwingt. Die Banalität des freien Spiels der Möwen erlangt an Bedeutung und wird verstärkt durch einen Blickwinkel, der dem eines Caspar David Friedrich entspricht.
Johanna Diehl
„Selbst jetzt, wo ich mich mühe, mich zu erinnern, (...) löst sich das Dunkel nicht auf, sondern verdichtet sich bei dem Gedanken, wie wenig wir festhalten können, was alles und wie viel ständig in Vergessenheit gerät, mit jedem ausgelöschten Leben, wie die Welt sich sozusagen von selber ausleert, indem die Geschichten, die an den ungezählten Orten und Gegenständen haften, welche selbst keine Fähigkeit zur Erinnerung haben, von niemandem je gehört, aufgezeichnet oder weitererzählt werden(...).“
(W. G. Sebald, Austerlitz)
In ihren Fotografien hält Johanna Diehl das Anwesende Abwesende fest und löst damit ein Paradox, indem sie sich einen Menschen durch seine Spuren vergegenwärtigst, die er in seinem Wohnraum hinterlassen hat. Eine vage Erinnerung haftet den Dingen dort an, die selbst nicht spricht, aber vom Betrachter abgelesen werden kann. Die hier gezeigten Polaroids machte Diehl im Haus ihrer verstorbenen Großeltern.
Karen Michiko Ernst
Die Visualisierung von Zeit, das Abbilden eines andauernden Prozesses und das Festhalten von Bewegung sind Themen, mit denen sich Karen Ernst in ihren Arbeiten beschäftigt. Dabei spielt die Rhythmik, die aus der Wiederholung monotoner Bewegungen resultiert, eine besondere Rolle.
Über einen Zeitraum von fast drei Jahren hat die Künstlerin aus einer Linolplatte jeden Tag eine Kerbe herausgeschnitzt und mittels weißer Linoldruckfarbe auf ein Blatt Papier gedruckt. Am folgenden Tag wurde der entstandene Steg und wiederum eine neue Kerbe herausgeschnitten und auf dasselbe Blatt Papier gedruckt. Am Ende liegt dieses Papier, das Karen Ernst jeden Tag überall hin begleitet hat, als stummer Zeuge eines Ausschnitts aus ihrem Leben, wohl behütet in einer Vitrine und gibt wenig über seine Entstehung preis.
Eine andere Form des Auftragens von Schichten ist in dem Video zu sehen, wo sich die Künstlerin in rythmischen Bewegungen Lippenstift auf die Lippen malt, bis dieser verbraucht ist. Eine Handlung, die ins Absurde läuft.
Katharina Karner
(Not so) Deep Impact, der Titel der hier gezeigten Bildserie, verweist auf jenen Katastrophenfilm, der Ende der 90er Jahre eine Weltuntergangsstimmung inszenierte, die durch die Bedrohung eines auf die Erde aufschlagenden Kometen ausging. Doch Karners Malereien erzählen von eintreffenden unbekannten Flugkörpern, die die Menschheit nicht antreffen. Die Landschaften sind verlassen, es ist niemand mehr da, der von den Laserstrahlen der Raumschiffe getroffen werden könnte. Die in den Science Fiction Erzählungen des 20. Jahrhunderts imaginierte Zukunft hat sich überholt. Die Menschheit der Gegenwart ist vielmehr durch von sich selbst verursachte Probleme bedroht (entfesselte Finanzsysteme, Klimakatastrophe, Nahrungsmittelknappheit) als durch unbekanntes, außerterrestrisches Leben. Karner erinnert uns an ein Paralleluniversum, das so nicht stattgefunden hat. Die Zukunft ist obsolet geworden.
Markus Proschek
Markus Proschek untersucht mit dieser Arbeit die in den 70er Jahren aufkommende Erotisierung des Faschismus in populären Medien. Die Grenzen zur Trivialisierung, zum Trash oder zur Heroisierung waren dabei fließend, was die Auseinandersetzung problematisierte. Selbst die erste öffentlich wirksame Aufarbeitung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus mit der populären Fernsehserie „Holocaust“ wurde von Kritikern als trivialisierend bezeichnet allein wegen ihres fiktiven Charakters.
Die Tabuisierung der Trivialisierung des Faschismus bietet Raum für Provokation. Und provozierend sind jegliche erotische Fantasien, die nicht der „normalen“ Vorstellung von Sexualität entsprechen. Doch welche Konsequenz hat die Unterdrückung individueller Fantasien für eine Gesellschaft? Proschek begibt sich auf einen schmalen Grat, wenn er Stereotype des Faschismus mit dessen eigenen Mitteln versucht zu dekonstruieren. Seine Arbeit ist zugleich dokumentarisch und ästhetisierend. Doch dies sei notwendig, so Proschek, um den/die Betrachter/in der Erfahrung auszusetzen sich von dem Dargestellten angezogen und im selben Moment abgestoßen zu fühlen.
Birgit Marie Schmidt
„[...] Und als sie zurückblickte sah sie, dass die Pferde wieder zu ihr zurückkamen. Große Pferde und kleine Pferde, helle und dunkle. Immer und immer wieder versuchte sie sie zu vertreiben. Tagein, tagaus, jahrein, jahraus. 'Rasch, rasch. Weg mit euch!' Ihre Nähe fühlte sich einfach nicht richtig an. Aber jeden Morgen und jede Nacht kehrten sie zurück und flüsterten leise Gedichte in ihr Ohr, in einer Sprache, die sie nicht verstand. Aber, meine Liebste, wie überwältigend diese Worte doch waren. Und immer wieder dachte sie, 'Halten sich die Pferde an mir fest oder ich mich an ihnen?'“ (Birgit Marie Schmidt)
-TeER- (Torsten Mächtel)
Zwei Stühle, dazwischen er. Teer kritzelt schnell auf Papier, was er erklären will, Worte können das nicht beschreiben. Teer ist Comiczeichner, irgendwie, aber auch Künstler. Er verwendet die spezifische Ästhetik der sequentiellen Kunst als Ausdruck für eine freie Ideenfindung. Die Figuren, die Themen entwickeln sich aus dem Entstehungsprozess heraus. Am Ende steht jede Zeichnung für sich, erzählt ihre eigene Geschichte oder stellt eine Behauptung auf. Doch weil sie alle vom selben Pinsel gezogen wurden, erscheinen sie wie Mitglieder einer großen Familie, wobei manche Elemente als Variation einer ursprünglichen Idee wieder auftauchen. Die einzelnen Figuren und Symbole basieren auf einer spielerischen Komposition, die mit so wenig Strichen wie möglich mit harten Konturen und flächigem Farbauftrag ohne Schraffur, Schattierung und Farbverlauf zu einem präzisen Ausdruck gelangen. Meist in vereinfacht –abstrahierter Form.
Bernadette Anzengruber (1980) lebt und arbeitet in Wien. 2005-2006 Studium am Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien und an der Universität für Angewandte Kunst, Wien, seit 2006 Studium an der Akademie der bildenden Künste, Wien, 2010 Studium an der University of Greenwich und an der Kingston University, London.
Screenings, Performances, Ausstellungen, Installationen, Symposien (Auswahl): 2011 identities - QUEER FILM FESTIVAL, Wien. DotDotDashDot:Queer, Toynbee Studios, London. Nashville Film Festival. zinegoak 2011 - 8th bilbao international glt film and performing arts festival, ESPACIO ABISAL, Bilbao. 2010 Parcours II, Galerie KG-FreiRäume, Hallein. Triennale Linz 1.0, LENTOS Kunstmuseum. The Allergic Bodies Conference and Exhibition, University of Greenwich & Stephen Lawrence Gallery, London. Marfa Film Festival. Diagonale - Festival des österreichischen Films, Graz.
Johanna Diehl (1977) geboren in Hamburg, lebt und arbeitet in Berlin und Leipzig. 2011 DAAD-Arbeitsstipendium für Italien, seit 2009 Meisterschülerin bei Prof. Tina Bara, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, 2000-2007 Diplom Bildende Kunst bei Prof. Timm Rautert, Klasse für Fotografie, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, 1998-1999 Studium Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Ausstellungen (Auswahl): 2011 ?Nachbilder, Schloss Ritzebüttel, Cuxhaven. 2010?Galerie Wilma Tolksdorf, Berlin.?Galerie Fiebach&Minninger, Köln. Oldenburger Kunstverein,? Re-Envisioning Cyprus, Pantheon Gallery, Nicosia/Zypern. ?Enovos Preis Junge Kunst 2010, Wilhelm Hack Museum, Ludwigshafen.?10 Jahre Kunstverein, Palais für aktuelle Kunst, Glückstadt.?International Festival for Photography & Video, Gallery Iang, Seoul. 2009 ?ATELIERFRANKFURT, Frankfurt am Main. New Positions 2009, Art Cologne/ Förderkoje. No Sound of Music, Salzburger Kunstverein. Parcours, Galerie der KG FreiRäume, Hallein.
Karen Michiko Ernst (1980) geboren in München, lebt und arbeitet dort. Seit 2007 Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste, München (Klasse Professor Hermann Pitz), 2001-2007 Studium (M.A.) der Kunstgeschichte, Soziologie und Neueren Deutschen Literaturwissenschaft an der Ludwig-Maximilans-Universität München.
Ausstellungen (Auswahl): 2011 Raumata, Provokationsraum, Augsburg. 2010 Jahresausstellung der Akademie der Bildenden Künste. re_land, Kolosssaal Akademie der Bildenden Künste München. 2009 16. Premio Internazionale di Scultura Edgardo Mannucci in Arcevia, Italien. Jahresausstellung der Akademie der Bildenden Künste München. Abschlussausstellung des Steinbildhauersymposiums der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg. ZEHNkampf, Platform 3, München.
Preise und Stipendien: 2011 Jubiläumsstipendienstiftung zur Akademie der Bildenden Künste. 2010 Erasmus-Stipendium, Semesteraufenthalt in Riga. 2009 Stipendium der Stiftung Dr. Reissmüssler – Arbeiten in Carrara.
Katharina Karner (1983) geboren in Wien, lebt und arbeitet dort. 2002-2009 Studium der Malerei an der Universität für angewandte Kunst
Ausstellungen (Auswahl): 2011 Open Art, Summerstage, Wien. Die Zukunft der Arbeit II, IZD-Tower, Wien. Turn Around 2011, Galerie Brunnhofer, Linz. 2010 Die Zukunft der Arbeit, Arbeiterkammer, Wien. Parcours II, Galerie der KG FreiRäume, Hallein. Wo ich war, soll es werden, Element 6, Wien. Turn Around 2010, Galerie Brunnhofer, Linz. 2009 Realitäten, Diplomausstellung, Universität für angewandte Kunst, Wien. Gute Maechte, MOYA - Museum of Young Art, Wien. Kunstmesse Linz, Nordico Museum, Linz. The Essence 09, Vordere Zollamtstraße, Wien. Frauenzimmer, Galerie Brunnhofer, Linz. De Oostenrijkers komen, Galerie bij de Boeken, Ulft.
Birgit Marie Schmidt (1982) geboren in Wien, lebt und arbeitet in London. 2011 M.A. in Goldsmithing, Silversmithing, Metalwork & Jewellery am Royal College of Art, London. 2003-2008 Universität für angewandte Kunst Wien, Institut für Architektur, Meisterschülerin von Zaha Hadid.
Ausstellungen (Auswahl): 2011 RCA SHOW, Royal College of Art, London. 2010 Work in Progress, Royal College of Art, London. 2009 Effe Kijke Let’s Have a Look no II: Overcoat, Marzee Gallery, Nijmegen. 2008 Diplomausstellung, Universität für angewandte Kunst Wien.
Preise und Stipendien: 2011 Theo Fennell Award - Best in Jewellery. Matthews Wrightson Starting Your Own Business Award. RCA Conran Awards: Nominated. 2010 Waddesdon Manor Design competition: Highly commended.
Markus Proschek (1981) geboren in Schwarzach i. Pg., lebt und arbeitet in Wien. 2001-2008 Studium an der Universität für angewandte Kunst, Wien.
Ausstellungen (Auswahl): 2011 Schizo-Revolte, Forum Stadtpark, Graz. The World Within, Filmquartier, Wien. JCE, Galerie im Traklhaus, Salzburg. Helden von Heute, Grafit, Varna. 2010 REPETITION COMPULSION, Austrian Cultural Forum, London. Sweet Anticipation, Kunstverein Salzburg. Dlouho Nevideno, Brno House of Arts, Brno. re-edit, Charim Galerie, Wien. 2009 Anlage M, Galerie5020, Salzburg. Elements of Light, Hellenic American Union, Athen. Patt, STRABAG Kunstforum, Wien. [Read July 1st, 1858.], Universität für Angewandte Kunst, Wien. Konturen, Kunstraum Niederösterreich, Wien. Rome-The City-The Memory, Museo di Roma Trastevere, Rom.
-TeER- (Torsten Mächtel) (1971) geboren in Bruchsal, lebt und arbeitet in Hamburg. 1996-2004 Diplomstudium im Fachbereich Illustration, Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg (Armgartstraße), Bereich Gestaltung.
Ausstellungen (Auswahl): 2010 Eye in the world, Galerie Eboran, Salzburg. CAS 2010, Kult41, Bonn. The last match, Gallery Artside, Lissabon. Next Comic Festival, Linz. Contemporary Art Festival Artisterium, Tbilisi, Georgia. Fumetto Festival, Luzern. Gallery MZIN, Leipzig. KomiksFest!, Prag. Amos Showtime, ArtyFarty Galerie, Köln. Galerie Ninasagt., Düsseldorf. Helmet Gallery, München. Christmas Originals, Artstore, Hamburg. 2009 Demons and Aliens, Artstore, Hamburg. Muhackl und Blutwurst, Augsburg. Spring Collection, Hafenbahnhof Hamburg. Junge Freunde der Kunsthalle Infoabend, KATO Comicshop, Hamburg.
