Nathalie Koger / Michael Koller / Susi Krautgartner / Daniela Löbbert / Siegfried Zaworka

25.07.2011–05.08.2011 / SCHAURAUM I - AssistentInnen der Sommerakademie 2011
Ort: KG Freiräume Hallein
  • KG Freiräume Hallein
    Bürgerspitalplatz 2, 5400 Hallein
    Kuratiert von Bärbel Hartje

    Ein Schauraum oder Schaufenster gibt Einblick in das Programm oder Angebot des Ausstellenden. Mit einer kleinen, gezielten Auswahl wird Neugierde und Interesse dafür geweckt, was darüber hinaus zu sehen und zu entdecken ist. Die Ausstellung Schauraum in der Galerie der KG FreiRäume hat eine ähnliche Funktion. Sie bietet den AssistentInnen der in Hallein für die Internationale Sommerakademie lehrenden KünstlerInnen die Möglichkeiten, den Studierenden und einem interessierten Publikum vor Ort, einen Eindruck von ihrer aktuellen Arbeit zu vermitteln. Gleichzeitig wird die eigentliche Tätigkeit der AssistentInnen – das künstlerische Schaffen – in den Vordergrund gerückt. Die KG FreiRäume ist eine seit Jahren in der Region verankerte Gemeinschaft Halleiner KünstlerInnen.


    Eröffnung: Montag 25. Juli 2011 20 Uhr
    Ausstellungsdauer: 26. Juli–5. August 2011
    Öffnungszeiten: Mittwoch 17–21 Uhr,
    Samstag 30. Juli 10–13 Uhr,
    Freitag 5. August 10–18 Uhr

     

    Natalie Koger

    Mit der aktuellen Studie „Rückkehr der alten Geister“ führt Nathalie Koger ihre Untersuchung institutionalisierter Geschlechterrollen fort, die im Umfeld der Akademie der bildenden Künste Wien zu finden sind. Ausgangspunkt für diese Studie der Repräsentationen und Ordnungssysteme bildet der Bestand der Glyptothek und des Kupferstichkabinetts als Lehrmittelsammlung. Dort findet Koger in der mythologischen Figur der Amazone ein Tugendbild und eine Widerstandsfigur, die auf eine alternative Gesellschaftsordnung verweist.
    Zum Eröffnungsabend wird der 16mm Film „Attitudes and Appropriation“ gezeigt. Gedreht wurde er 2010 im Gustinus Ambrosi Museum in Wien, wo Koger die Hauptdarstellerin, eine Hula-Hupp-Tänzerin, auf einem vorhandenen Sockel zwischen den Steinbüsten des Museums platziert hat. Auch hier brechen Choreografie und Inszenierung durch Betonung von Beweglichkeit, Neuordnung und Repräsentation starre Rollenbilder auf.

     

    Michael Koller

    Die archäologische Ausgrabungsstätte mitten in einer romantischen Berglandschaft irritiert. Was kann hier entdeckt worden sein? Ein großes Objekt, das dem Boden entnommen wurde, ist verhüllt. Auch die kleineren Objekte, die wie einzelne Puzzleteile fein säuberlich aufgereiht auf die Zusammensetzung zu einem großen Ganzen warten, geben wenig Aufschluss. Selbst die sauber ausgehobenen Erdfelder schließlich lassen lasen in dem aufgenommenen Winkel keinen Einblick zu.
    Michael Koller inszeniert in seinen Fotografien absurde Situationen, die sich mit dem Unterbewussten beschäftigen. Er macht Transformationsprozesse des Unterbewusstseins räumlich sichtbar. Warum bezeichnen wir das, was wir dort sehen, als Landschaft? Welchen Einfluss hat unser Unterbewusstsein auf unsere Wahrnehmung und Interpretation alltäglicher Situationen? Und was können wir entdecken, wenn wir unter die Oberfläche schauen?

     

    Susi Krautgartner

    In ihren Fotografien verhandelt Susi Krautgartner unterschiedliche Strategien des Selbstportraits, wobei es ihr weniger um das Abbild der eigenen Person geht. Vielmehr inszeniert und verändert sie bestimmte Rollenbilder, für die sie mit ihrem Körper neue Posen findet. Die Bedingungen des Mediums der Fotografie treten dabei offensichtlich mit ins Bild.
    In der Serie Das erweiterte Selbstportrait erscheint Krautgartner mit wechselnde Personen in unterschiedlichen Zusammenhängen. Es bleibt offen, ob es sich bei der Künstlerin überhaupt immer um ein und dieselbe Person handelt, die Serie quasi ein Querschnitt aus dem privaten Photoalbum dieser Person ist, oder ob sie Doppelgängerinnen hat. Das rauchende Gretel vereint durch ihre Bekleidung einerseits und ihre Geste andererseits nicht vereinbare Attribute einer bestimmten traditionellen Frauenrolle. Das kollektive Bildgedächtnis wird gestört, der Blick auf die eigene Kultur verändert. Dass das Portrait als ewiges Abbild das Leben überdauert, wird in Prämortem schließlich vertieft. Die übertriebenen Posen können als zeitgenössisches Memento Mori gelesen werden. Klassische Darstellungen der Köpfung Holofernes durch Judith zitierend, nimmt die Künstlerin hier allerdings beide Rollen gleichermaßen an.

     

    Daniela Löbert

    „Daniela Löbbert nimmt in ihrem Werk auf die Moderne und ihre Rezeption nach 1945 Bezug. Ihr gelingt es dabei [...] auf sehr subtile Weise, das Repertoire abstrakter und so genannter konkreter Kunst mit Formgebungen zu durchwirken, die von ihr aus ganz und gar zeitgenössischen Beobachtungen generiert werden. Die zumeist großformatigen Bilder von Daniela Löbbert zeigen geometrisch definierte monochrome Flächen, die isoliert auf einer hell grundierten Leinwand aufliegen. Den häufig bis an die Ränder der Leinwand ausgespannten Farbflächen haften gleichwohl Reste von Gegenständlichkeit an, indem ihre präzisen Konturen Assoziationen mit architektonischen Formen herausfordern. [...] Aus diesen Gegenständen extrahiert Löbbert Geraden, Krümmungen, Winkel und Flächeninhalte, die sie auf der Leinwand derart verabsolutiert, dass sie sich ästhetisch verselbständigen. Der geometrische Körper, der ihnen zugrunde lag, ist gleichwohl immer noch präsent, indem sichtbar belassene Linien und der Farbfläche beigebrachte Grate seine Kanten nachzeichnen.“ (Dr. Hans-Jürgen Lechtreck)

     

    Siegfried Zaworka

    „In schamloser, koketter Manier und unter dem Dekor ihrer eigenen Abwesenheit trotzen die abgebildeten (Lebens)Mittel und Güter ihrer eigenen Konsumierbarkeit. Objekte der Begierde geraten in einen destruktiven Strom einer Selbstverweigerung und nehmen genau soviel Raum ein, wie sie auch negieren. Im Bekenntnis zu dieser Pose trotzen die Darsteller dem Spott, dem sie sich selbst anbieten und werden so zu Fratzen. Die den Verbänden auferlegte Bürde der (Auto)Destruktion attackiert auch jedes einzelne Individuum. Die Konsequenz aus dem Zerfall führt hier aber nicht zu einer erlösenden Auslöschung, sondern jeglicher Rest beginnt sich wieder und wieder auf sich selbst aufzubauen.“ (Auszug aus: Jakob Neulinger, Brachiale Ikonen)