Ein Schauraum oder Schaufenster gibt Einblick in das Programm oder Angebot des Ausstellenden. Mit einer kleinen, gezielten Auswahl wird Neugierde und Interesse dafür geweckt, was darüber hinaus zu sehen und zu entdecken ist. Die Ausstellung Schauraum in der Galerie der KG FreiRäume hat eine ähnliche Funktion. Sie bietet den AssistentInnen der in Hallein für die Internationale Sommerakademie lehrenden KünstlerInnen die Möglichkeiten, den Studierenden und einem interessierten Publikum vor Ort, einen Eindruck von ihrer aktuellen Arbeit zu vermitteln. Gleichzeitig wird die eigentliche Tätigkeit der AssistentInnen – das künstlerische Schaffen – in den Vordergrund gerückt. Die KG FreiRäume ist eine seit Jahren in der Region verankerte Gemeinschaft Halleiner KünstlerInnen.
Eröffnung: Montag 25. Juli 2011 20 Uhr
Ausstellungsdauer: 26. Juli–5. August 2011
Öffnungszeiten: Mittwoch 17–21 Uhr,
Samstag 30. Juli 10–13 Uhr,
Freitag 5. August 10–18 Uhr
Natalie Koger
Mit der aktuellen Studie „Rückkehr der alten Geister“ führt Nathalie Koger ihre Untersuchung institutionalisierter Geschlechterrollen fort, die im Umfeld der Akademie der bildenden Künste Wien zu finden sind. Ausgangspunkt für diese Studie der Repräsentationen und Ordnungssysteme bildet der Bestand der Glyptothek und des Kupferstichkabinetts als Lehrmittelsammlung. Dort findet Koger in der mythologischen Figur der Amazone ein Tugendbild und eine Widerstandsfigur, die auf eine alternative Gesellschaftsordnung verweist.
Zum Eröffnungsabend wird der 16mm Film „Attitudes and Appropriation“ gezeigt. Gedreht wurde er 2010 im Gustinus Ambrosi Museum in Wien, wo Koger die Hauptdarstellerin, eine Hula-Hupp-Tänzerin, auf einem vorhandenen Sockel zwischen den Steinbüsten des Museums platziert hat. Auch hier brechen Choreografie und Inszenierung durch Betonung von Beweglichkeit, Neuordnung und Repräsentation starre Rollenbilder auf.
Michael Koller
Die archäologische Ausgrabungsstätte mitten in einer romantischen Berglandschaft irritiert. Was kann hier entdeckt worden sein? Ein großes Objekt, das dem Boden entnommen wurde, ist verhüllt. Auch die kleineren Objekte, die wie einzelne Puzzleteile fein säuberlich aufgereiht auf die Zusammensetzung zu einem großen Ganzen warten, geben wenig Aufschluss. Selbst die sauber ausgehobenen Erdfelder schließlich lassen lasen in dem aufgenommenen Winkel keinen Einblick zu.
Michael Koller inszeniert in seinen Fotografien absurde Situationen, die sich mit dem Unterbewussten beschäftigen. Er macht Transformationsprozesse des Unterbewusstseins räumlich sichtbar. Warum bezeichnen wir das, was wir dort sehen, als Landschaft? Welchen Einfluss hat unser Unterbewusstsein auf unsere Wahrnehmung und Interpretation alltäglicher Situationen? Und was können wir entdecken, wenn wir unter die Oberfläche schauen?
Susi Krautgartner
In ihren Fotografien verhandelt Susi Krautgartner unterschiedliche Strategien des Selbstportraits, wobei es ihr weniger um das Abbild der eigenen Person geht. Vielmehr inszeniert und verändert sie bestimmte Rollenbilder, für die sie mit ihrem Körper neue Posen findet. Die Bedingungen des Mediums der Fotografie treten dabei offensichtlich mit ins Bild.
In der Serie Das erweiterte Selbstportrait erscheint Krautgartner mit wechselnde Personen in unterschiedlichen Zusammenhängen. Es bleibt offen, ob es sich bei der Künstlerin überhaupt immer um ein und dieselbe Person handelt, die Serie quasi ein Querschnitt aus dem privaten Photoalbum dieser Person ist, oder ob sie Doppelgängerinnen hat. Das rauchende Gretel vereint durch ihre Bekleidung einerseits und ihre Geste andererseits nicht vereinbare Attribute einer bestimmten traditionellen Frauenrolle. Das kollektive Bildgedächtnis wird gestört, der Blick auf die eigene Kultur verändert. Dass das Portrait als ewiges Abbild das Leben überdauert, wird in Prämortem schließlich vertieft. Die übertriebenen Posen können als zeitgenössisches Memento Mori gelesen werden. Klassische Darstellungen der Köpfung Holofernes durch Judith zitierend, nimmt die Künstlerin hier allerdings beide Rollen gleichermaßen an.
Daniela Löbert
„Daniela Löbbert nimmt in ihrem Werk auf die Moderne und ihre Rezeption nach 1945 Bezug. Ihr gelingt es dabei [...] auf sehr subtile Weise, das Repertoire abstrakter und so genannter konkreter Kunst mit Formgebungen zu durchwirken, die von ihr aus ganz und gar zeitgenössischen Beobachtungen generiert werden. Die zumeist großformatigen Bilder von Daniela Löbbert zeigen geometrisch definierte monochrome Flächen, die isoliert auf einer hell grundierten Leinwand aufliegen. Den häufig bis an die Ränder der Leinwand ausgespannten Farbflächen haften gleichwohl Reste von Gegenständlichkeit an, indem ihre präzisen Konturen Assoziationen mit architektonischen Formen herausfordern. [...] Aus diesen Gegenständen extrahiert Löbbert Geraden, Krümmungen, Winkel und Flächeninhalte, die sie auf der Leinwand derart verabsolutiert, dass sie sich ästhetisch verselbständigen. Der geometrische Körper, der ihnen zugrunde lag, ist gleichwohl immer noch präsent, indem sichtbar belassene Linien und der Farbfläche beigebrachte Grate seine Kanten nachzeichnen.“ (Dr. Hans-Jürgen Lechtreck)
Siegfried Zaworka
„In schamloser, koketter Manier und unter dem Dekor ihrer eigenen Abwesenheit trotzen die abgebildeten (Lebens)Mittel und Güter ihrer eigenen Konsumierbarkeit. Objekte der Begierde geraten in einen destruktiven Strom einer Selbstverweigerung und nehmen genau soviel Raum ein, wie sie auch negieren. Im Bekenntnis zu dieser Pose trotzen die Darsteller dem Spott, dem sie sich selbst anbieten und werden so zu Fratzen. Die den Verbänden auferlegte Bürde der (Auto)Destruktion attackiert auch jedes einzelne Individuum. Die Konsequenz aus dem Zerfall führt hier aber nicht zu einer erlösenden Auslöschung, sondern jeglicher Rest beginnt sich wieder und wieder auf sich selbst aufzubauen.“ (Auszug aus: Jakob Neulinger, Brachiale Ikonen)
Nathalie Koger (1978), geboren in Oberkirch (D), lebt und arbeitet in Wien und im Schwarzwald. Gründerin des VfÜ. Verein zur Förderung von Schönheit, transkultureller Kommunikation und Kunstkritik. Mitglied der Filmkoop Wien. 2011 Magister artium mit Auszeichnung, Akademie der bildenden Künste Wien, Studium der Kunst und Kulturwissenschaften, 2004-2008 Kunstakademie Münster, Meisterschülerin.
Ausstellungen (Auswahl): 2011 Die Rückkehr der alten Geister, xhibit/Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien. Folyamatban, Österreichisches Kulturforum Budapest. Blind Date with Baldessari, Projects and Assignments, Saprophyt, Wien. 2010 Say Goodbye to Olafur Eliasson, Birgit Jürgenssen Preis, Atelierhaus akbild, Wien. 2009 Which life?, Akademie der bildenden Künste Wien. Uncalled Performances, Kunsthaus Graz. 2007 CROSSKICK – Die ideale Akademie_Idealna Akademia_Ideali Akaemijy, Westfälischer Kunstverein Münster.
Preise und Stipendien (Auswahl): 2011 Auslandsatelier der Stadt Wien in Budapest. Förderstipendium der Akademie der bildenden Künste Wien. Förderung durch die Kulturabteilung der Stadt Wien. 2010 Birgit Jürgenssen Preis. Stipendium des Vereins der Freunde der Internationalen Sommerakademie Salzburg. 2001 Timm und Struppi Preis, vergeben durch Timm Ulrichs.
Michael Koller (1979), geboren in Regensburg (D), lebt und arbeitet in Berlin und Wien. 2001-2008 Studium Freie Kunst an der Universität für angewandte Kunst, Wien.
Ausstellungen (Auswahl): 2011 No.19.,TapeModern, Berlin. 2010 Parcours II, Galerie der KG FreiRäume, Hallein. 2009 Parcours I, Galerie der KG FreiRäume, Hallein. 2008 Examination, Die Zelle, Wien. Rumor, Diplom, Universität für angewandte Kunst, Wien. Bilder im Birkenwald wirken bald, Kunstraum Praterstraße, Wien. The Essence 08, Museum für angewandte Kunst, Wien. 2007 European Paintings, Art Museum Qing Dao, China. The Karfi ol Project, Kunsthalle Project Space, Wien. 2006 Artists in Residence, Linhard Foundation, Prag. Fremde Blicke, Kunstraum Praterstraße, Wien. Young Wine, Museum für angewandte Kunst, Wien. Pattern:Space:Matter, Kulturbunker Mülheim, Köln. Dies ist doch kein Porno, Galerie Lisi Haemmerle, Bregenz. The Essence 06, Museum für angewandte Kunst, Wien. Souterrain, Kunsthalle Project Space, Wien.
Susi Krautgartner (1982), geboren in Ried im Innkreis (A), lebt und arbeitet in Wien. 2006-2010 Studium Bildende Kunst an der Akademie der bildenden Künste, Wien, Klasse für Kunst und Fotografie bei Matthias Herrmann, Martin Guttmann.
Ausstellungen (Auswahl): 2011 Diplom-Ausstellung, Semperdepot, Wien. Second Lives: Jeux masqués et autres Je, Casino Luxembourg, Forum d’art contemporain, Luxemburg. 2010 Triennale 1.0, Landesgalerie Linz. Susi Krautgartner / Leo Kandl, Galerie Fotohof, Salzburg. Parcours II, Galerie der KG FreiRäume, Hallein. Rundgang 2010, Akademie der bildenden Künste, Wien. 2009 Jahresausstellung, Akademie der bildenden Künste, Wien. 2009 No Sound of Music, Künstlerhaus Salzburg.
Preise und Stipendien (Auswahl): 2011 Würdigungspreis der Akademie der bildenden Künste Wien. Wissenschaftsstipendium der Stadt Wien. 2010 Projektstipendium für die künstlerische Diplomarbeit der Akademie Wien. Talentförderungsprämie des Landes Oberösterreich.
Daniela Löbbert (1979), geboren in Haltern am See (D), lebt und arbeitet in Wien. 2000-2006 Studium Freie Kunst bei Ulrich Erben und Guillaume Bijl, Kunstakademie Münster, 2003-2004 Studium Freie Kunst bei Hubert Kiecol, Kunstakademie Düsseldorf, 2006 Meisterschülerin bei Guillaume Bijl.
Ausstellungen (Auswahl): 2011 Tetris, Paula oder der gedachte Wunsch historischer Gegenstand zu werden, Glockengasse No. 9, Wien. 2010 Phänomenal, Junge Kunst aus Münster, Düsseldorf. Atelier 1.5, Atelierhaus Speicher 2, Münster. Colourspaces, Galerie Münsterland, Emsdetten. Haunted Place, Raumstation Liebhartsgasse, Wien. If you need something, Bilbao Arte, Bilbao. 2009 no proof, Haus der Provinzial, Münster. ausgestellte Werke, Art Cologne, Köln. Jetzt und damals, Städtische Galerie Lüdenscheid. 2008 Metropolis, Salon Berliner Platz, Münster. Malerei 2008, Förderpreis des Westfälischen Kunstvereins, Münster. so far, Galerie Brühl. New Grass, Kunstverein Gelsenkirchen.
Preise und Stipendien: 2010 Förderstipendium der Sussmann Stiftung. 2008 Förderpreis Junge Kunst der Stadt Stadtlohn, Schwalenberg-Stipendium des Landesverbandes Lippe. 2007 Förderpreis der Freunde der Kunstakademie Münster. Förderpreis der Kulturstiftung Sparkasse Unna. Max Ernst Stipendium der Stadt Brühl.
Siegfried Zaworka (1972), geboren in Wolfsberg (A), lebt in Salzburg. Studium an der Universität für angewandte Kunst, Wien und am Mozarteum, Salzburg.
Ausstellungen / Performances (Auswahl): 2011 Performance für I will eat this sleepy town, Waterside Project Space, London. Galerie Seelenruh’, Galerie 5020, Salzburg (Solo), Printmaking Triennial of Ulus, Belgrad. AUS:STELLUNG:SICHT:ZUG mit Stylianos Schicho, Ateliers am Bauernmarkt, Wien. Das Tier in der Kunst, Galerie im Traklhaus, Salzburg. 2010 Du und Titel mit L. Kasalicky, Kunstraum Magazin, Wien. Galerija Equrna, Ljubljana. Smegmagnom (Performance), Project Space, Kunsthalle Wien. Smegmagnom in concert (Performance), Bawag Contemporary, Wien. The Essence, Künstlerhaus, Wien. Display Praterstern, Fluc, Wien. Zirkuswelten, Museum der Moderne Rupertinum, Salzburg. Trans. Movimenti, Künstlerhaus Klagenfurt.
Preise und Stipendien (Auswahl): 2011 Jahresstipendium für bildende Kunst des Landes Salzburg. 2006 Slavi Soucek-Stipendium für Grafik. 2007 Auslandsstipendium Frankfurt/Main. 2008 Auslandsstipendium Berlin.
