In diesem Gespräch werde ich über einige Kontinuitäten und Diskontinuitäten im begrifflichen Verhältnis von Kunst und Arbeit spekulieren, die sich im Gefolge verschiedener Krisen entwickelt haben. Neben Beispielen aus dem 19. Jahrhundert werden wir dabei auch einen Blick auf das neuere Kunstschaffen werfen, das die Figur des Künstlers mit der des Arbeiters verbindet (wobei letzterer heute meist ein Dienstleister ist).
Für John Ruskin, William Morris und ihre KollegInnen im London des 19. Jahrhunderts war der Kapitalismus als Krise verantwortlich für die Ausbeutung der Arbeiterschaft und den Niedergang der Künste. Für Courbet und die KünstlerInnen der Pariser Commune von 1871 war die Krise vor allem eine Gelegenheit zur Reorganisation. KunstarbeiterInnen traten auch im Mai 1968 und danach in Erscheinung, ganz zu schweigen vom Ausstoß künstlerischer Arbeit während der Zeit der Großen Depression in den 1930er Jahren oder davor bei den Russischen KonstruktivistInnen.
Für das neueste Kunstschaffen lässt sich keine derartige soziale Bewegung oder ein derartiger Regimewechsel feststellen. Hier handelt es sich eher um Projekte auf der Suche nach einer sozialen Bewegung; sie agieren als ob sie ein integraler Bestandteil einer existierenden sozialen Bewegung wären.
