Alice Creischer und Andreas Siekmann sprechen über ihr Projekt Principio Potosí (Das Potosí-Prinzip), eine Ausstellung, die auf einem Forschungsprojekt beruht und zeitgenössische KünstlerInnen zu einem Dialog mit den historischen kolonialen Kunstwerken aus Peru und Bolivien einlädt. Die Ausstellung ist bis Anfang September 2010 im Centro Reina Sofia Madrid zu sehen und wird anschließend in Berlin und La Paz gezeigt werden. Ausgangspunkt ist die Analyse der kolonialen Malerei im Vizekönigreich Peru vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Die einflussreichen Malschulen von Cuzco, Potosí and Collao (La Paz) entstanden in den neuen und bereits etablierten Zentren andischer Kultur. Die Bilder, die erstmals in diesem Umfang in Spanien gezeigt werden, fungierten sowohl als religiöse Andachtsbilder als auch als Vermittler einer Botschaft des Widerstands. Diese Ambivalenz ist für Alice Creischer und Andreas Siekmann, die gemeinsam mit Max Georg Hinderer Kuratoren der Ausstellung sind, ein Zeichen dafür, dass Kunst, damals wie heute, an den politischen Raum gekoppelt ist, der sowohl blinde Flecken als auch schwarze Löcher aufweist.
Alice Creischer und Andreas Siekmann leiten im Programm der Sommerakademie 2010 den Kurs Knetgummi-Animation als skulpturale Erfahrung in der Alten Saline Hallein.
Alice Creischer und Andreas Siekmann arbeiten sowohl individuell als auch gemeinsam. Sie schreiben Texte u.a. in den Zeitschriften springerin, Texte zur Kunst und ANYP und beteiligten sich an zahlreichen Gruppenprojekten u.a. Messe 2ok, Köln 1995. Sie arbeiten zurzeit an dem Projekt Principio Potosí, das 2010 in der Reina Sofia, Madrid und im Haus der Kulturen der Welt, Berlin zu sehen sein wird. 2004 kuratierten sie das Ausstellungsprojekt ExArgentina im Museum Ludwig/Köln, 2002 die Ausstellung Die Gewalt ist der Rand aller Dinge in der Generali Foundation,Wien.
Gemeinsam mit Josef Strau und Amelie von Wulffen realisierten sie den Knetgummi Animationsfilm Die Krumme Pranke, 1997.
Alice Creischer (1960) setzt sich in ihren Arbeiten, Zeichnungen, Collagen, Malerei, Installationen u.a. mit historischen, ökonomischen und politischen Themen auseinander, die sie zu poetischen Tableaux kondensiert.
Einzelausstellungen
2008 Zum osmotischen Druckausgleich von Reichtum, MACBA, Barcelona. 2001 The Greatest Happiness Principle Party, Secession, Wien.
Ausstellungsbeteiligungen
2009 Textiles, MUHKA, Antwerpen. 2007 Documenta12, Kassel. 2006 After Conceptual Art, Generali Foundation, Wien.
Andreas Siekmann (1961) beschäftigt sich in seinen langfristig angelegten Zeichnungsserien, Filmen und architektonischen Modellen mit der Privatisierung des öffentlichen Raums und der Restrukturierung von Arbeitsverhältnissen unter den Bedingungen der Globalisierung.
Einzelausstellungen
2002 Die Exklusive. Zur Politik des ausgeschlossenen Vierten, Salzburger Kunstverein, Salzburg. 2006 Faustpfand, Treuhand und die unsichtbare Hand, Heidelberger Kunstverein, Heidelberg. 2007 und 2008 Galerie Barbara Weiss, Berlin; 2010 Museum Ludwig, Köln.
Gruppenausstellungen
2007 Documenta 12, Kassel. 2006 This is not for you. Sculptures as tropes of criticality, Thyssen-Bornemisza Art Contemporary, Wien. Every Day … another artist/work/show, Salzburger Kunstverein, Salzburg. 2004/05 How do we want to be governed? Miami Art Central, Miami; Secession, Wien; Witte de With, Rotterdam. 2003 The Structure of Survival, 50. Biennale, Venedig. 2002 Documenta 11, Kassel.
Publikationen
A.C.: Zum osmotischen Druckausgleich von Reichtum, MACBA, Barcelona 2008.
A.S.: Dresden Postplatz, Berlin 2006.
A.C.: The greatest Happiness Principle Party, Secession, Wien 2001.
A.S.: Aus: Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Portikus, Frankfurt a.M. 1997.
