Christina Zurfluh schildert im Mittagsgespräch ihren künstlerischen Werdegang, um dann die Bedeutung von Form, Komposition und Materialität von Farbe in ihrer Arbeit zu diskutieren. "Die Materialität des Bildes, bzw. seiner Farbe, wird explizit gemacht, aber nicht im Dienste von formaler Verflachung oder Überbetonung der Figur auf ihrem Hintergrund. Es scheint sich vielmehr um ein Loslösen und Eigenständigmachen der Farbstoffe zu handeln, so dass diese vom Bild abgelöst werden, aber ohne dabei zur Skulptur im Raum zu werden. Ein Eigenleben der Farbstoffe scheint zu entstehen, so dass diese ihre Funktion als Träger repräsentationeller Projektionen im Bild verlieren und als Material eine Autonomie gewinnen." (Martin Prinzhorn, Präfixlose Position, in: Christina Zurfluh, Paintings, Katalog 2000)
Christina Zurfluh leitet im Programm der Sommerakademie 2010 den Kurs Malerei zwischen Konzept und Zufall auf der Festung Hohensalzburg.
Die abstrakten Grundformen sind die konzeptuelle Grundlage für Christina Zurfluhs Malereiplastiken. Durch den bewussten Akt ihrer Überlagerungen entwirft sie eine Oberfläche, die das Thema der Dekonstruktion, des Verhüllens und Verdeckens, der Zerstörung der reinen Form als theoretische Basis ihres gesamten Werks aus Zeichnung, Malerei und Plastik kennzeichnet. Diesem konzeptuellen Ansatz steht die Farbigkeit der Arbeit entgegen, die aus einem momentanen Erlebnis oder aus einer Stimmung heraus entsteht und somit einer impulsiven und zum Teil einer unkontrollierten Handlung entspricht. Sie verbindet die ausgewählten Formen und ihre Platzierung auf der Oberfläche mit dem automatischen, emotionalen Gestus der Malerei und stellt gleichzeitig Form und Farbe, Konzept und inneren Impuls, Komposition und Dekomposition als gleichwertige Möglichkeit der Oberflächengestaltung vor, die miteinander verwoben werden und sich gegenseitig aufheben. Die Objekthaftigkeit des Bildes wird nicht zurückgedrängt, es wird nicht versucht, das Bild zur reinen Wahrnehmung zu machen. Die Schichten bewirken nicht nur physische Präsenz und Gewicht, sie sind auch eine Vielzahl unterschiedlicher Bilder, die in der Bearbeitung, in der Aushöhlung und in der Auffüllung wieder zu einem Objekt werden.
Christina Zurfluh wurde in Zug / Schweiz geboren. Sie studierte an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien.
Einzelausstellungen
2008 Newrealism, Galerie mezzanin, Wien. 2007 New Forces New Faces, Kunstraum Kreuzlingen, Schweiz. 2006 Ghostpaintings - Paintingghosts, Galerie Brigitte Weiss, Zürich und Galerie mezzanin, Wien. 2005 Flätthüntschsauft, Studio Neue Galerie, Graz.
Gruppenausstellungen
2008 Variation1, Konzerthaus, Wien. 2007 Top of Central Switzerland, Kunstmuseum Luzern. 2005 Die Ordnung der Natur, O.K.Centrum, Linz. 2004 Paula's Home, Lentosmuseum, Linz. 2000 Das Gedächtnis der Malerei, Aargauer Kunsthaus, Aarau.
Publikationen
Christina Zurfluh: Flätthüntschsauft, Neue Galerie Graz am Landesmuseum Joanneum, Graz 2005.
Christina Zurfluh: Paintings, Edition Unikate, Zürich, 2000.
