"in den Abgrund springen und sogleich wieder auftauchen"*

November 2011: Auf der einen Seite sind der Euro, die Europäische Union, ja die gesamte Weltwirtschaft von einer Krise undefinierbaren Ausmaßes bedroht, der Klimawandel scheint unaufhaltsam, in den Nachrichten wird täglich von den unvorhersehbaren "Reaktionen der Märkte" gewarnt. Auf der anderen Seite findet die Occupy Bewegung regen Zuspruch, Bürgerbeteiligung wird neu diskutiert, Nordafrika und der Nahe Osten sind im Umbruch. Sind das die Hoffnungsfelder?

Fest steht, wir leben in einer ultra-komplexen, von Krisen gebeutelten Welt und niemand weiß, wo uns die nächsten Monate und Jahre hinführen werden. Vor diesem Hintergrund entstand das Kursprogramm 2012 der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg. Das Motto "in den Abgrund springen und sogleich wieder auftauchen", unter dem das Kursprogramm 2012 steht, ist in zweifacher Hinsicht gemeint. Es referiert auf die aktuelle politische und gesellschaftliche Situation, in der sich viele als am Abgrund stehend erleben. Es ist aber auch eine Metapher für künstlerische Produktion, die immer auch ein In-den-Abgrund-Springen, in der Hoffnung daraus sogleich wieder aufzutauchen, bedeutet. Gerade die Sommerakademie ist ein Ort, an dem die Kursstruktur ein Sicherheitsnetz spannt, das den Teilnehmenden die Chance gibt, Abgründe zu erforschen, fremde Terrains zu betreten und neue Sprünge zu wagen.

* nach Milena Dragicevic