Der Titel dieses Kurses stammt aus dem konzeptuellen Text Footwriting (1984) des kroatischen Künstlers Mladen Stilinović und verweist auf die Beziehung von Kunst und Realität, aber auch auf die Bedeutung interner Prozesse, durch welche die Kunst auf ihr eigenes Feld beschränkt ist. Der Kurs hinterfragt die zeitgenössische Kunstpraxis sowie den Begriff des Kuratierens aus der Perspektive unterschiedlicher Interventionsmöglichkeiten in bestehende gesellschaftliche, institutionelle und ideologische Strukturen. Während des gesamten Kurses haben die TeilnehmerInnen die Gelegenheit, Fragen wie die folgenden zu diskutieren: Welche Verantwortung hat die Kunst in Hinblick auf ihre eigenen Verfahren und Grenzen, die Selbstpositionierung von KünstlerInnen und KulturarbeiterInnen, sowohl im künstlerischen als auch in einem breiteren soziopolitischen Kontext? Wie kann Kunst in lokale Kontexte intervenieren? Welche Grenzen und Möglichkeiten haben solche Interventionen? Welche Möglichkeiten kann eine Ausstellung einer aktivistischen künstlerischen Praxis eröffnen? Welche Rolle kann eine Kunstinstitution in der zeitgenössischen Gesellschaft einnehmen? Können wir eine Ausstellung als offene und kollektive Ressource neu konzipieren?
Wir werden sowohl historische als auch zeitgenössische künstlerische Positionen erörtern und ihre Beziehung zum Prozess der Konstruktion oder Diskussion kollektiver Identitäten und kultureller Homogenisierung behandeln.
Die Kurssprache ist Englisch. Es werden Ausstellungen in Salzburg und Umgebung besucht und besprochen sowie aktuelle kuratorische Projekte thematisiert, die das soziale Engagement von Kunst neu definieren. Bei Kursbeginn wird eine Literaturliste vorgelegt, weiters sollte jede/r TeilnehmerIn ein kuratorisches Projekt vorstellen, das in der Gruppe erörtert wird.
What, How & for Whom/WHW ist ein 1999 gegründetes KuratorInnenkollektiv mit Sitz in Zagreb, Kroatien. Die Mitglieder sind Ivet ?urlin, Ana Devi?, Nataša Ili? und Sabina Sabolovi? sowie der Designer und Publizist Dejan Krši?. WHW realisiert unterschiedliche Ausstellungen, Projekte und Publikationen und leitet die Galerija Nova in Zagreb. What, how and for whom überträgt die drei grundlegenden Fragen jeder wirtschaftlichen Organisation auf die Kunstwelt, um die Planung, das Konzept und die Realisierung von Ausstellungen sowie die Produktion und Distribution von Kunstwerken und die Positionierung des Künstlers auf dem Arbeitsmarkt zu hinterfragen. Diese drei Fragen waren der Titel von WHWs erstem Projekt anlässlich des 152. Jahrestags des Kommunistischen Manifests in Zagreb im Jahr 2000 und wurden in weiterer Folge zum Motto und Namen des Kollektivs.
2011 kuratierte WHW den kroatischen Pavillon mit der Ausstellung One Needs to Live Self-Confidently… Watching bei der 54. Biennale von Venedig und die Ausstellung Details in der Kunsthalle Bergen sowie Second World, die zentrale Ausstellung beim Steirischen Herbst in Graz. 2009 kuratierte WHW die 11. Biennale von Istanbul mit dem Titel Denn wovon lebt der Mensch?
Publikationen
Details, What, How & for Whom/WHW (Hg.), Kunsthalle Bergen, Publikation zur Ausstellung, Bergen 2011.
Art Always Has Its Consequences, What, How & for Whom/WHW (Hg.), Zagreb 2010.
The Texts &The Guide, What, How & for Whom/WHW (Hg.), Istanbul Stiftung für Kunst und Kultur/IKSV, Istanbul 2009.
Vojin Baki?, Grazer Kunstverein, What, How & for Whom/WHW (Hg.), Zagreb und Graz 2008.
Collective Creativity, René Block, Angelika Nollert, WHW (Hg.), Kunsthalle Fridericianum, Publikation zur Ausstellung, Revolver. Archiv für aktuelle Kunst, Frankfurt am Main 2005.
