Geschichte der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg

Oskar Kokoschka – Schule des Sehens

Oskar Kokoschka gründete im Sommer 1953 auf der Festung Hohensalzburg die Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg als „Schule des Sehens“. Er schuf mit dieser ersten Kunstsommerakademie auf europäischem Boden einen internationalen Ort der Begegnung für Menschen unterschiedlicher Herkunft, gesellschaftlichen Hintergrunds und Alters und ein Gegenmodell zu den traditionellen nationalen Kunstakademien. In Kokoschkas Lehrkonzept gab es keine Trennlinie zwischen künstlerischem Handwerk und einer umfassenden intellektuellen und humanistischen Bildung. Innerhalb von elf Sommern gelang es Oskar Kokoschka die TeilnehmerInnenzahl von 30 im Jahre 1953 auf 250 im Jahr 1963 zu erhöhen.

Oskar Kokoschkas Kunst war im Nationalsozialismus als entartet verboten. Der Künstler emigrierte als vehementer Gegner des Nationalsozialismus 1934 nach Prag und 1938 nach Großbritannien, wo er bis 1953 lebte. Anschließend zog er an den Genfersee in die Schweiz, wo er 1980 starb.
Oskar Kokoschkas spätes Werk, seine figurative, dem Landschafts- und Menschenbild verpflichtete Kunst, war in den 1950er und 60er Jahren auf der documenta 1, 2 und 3 vertreten. Städteansichten aus den 1930er Jahren finden sich in zahlreichen österreichischen und deutschen Museen. Kokoschka positionierte sich im krassen Gegensatz zur abstrakten Moderne, die von den USA ausging und in den 1940er und 50er Jahren den Alleinanspruch auf die Avantgarde erhob. Bis in die 1970er Jahre bestimmte dieser Gegensatz, der bisweilen als erbitterter Kampf zwischen den VertreterInnen der abstrakten und jenen der figurativen Kunst ausgetragen wurde, die Kunstwelt Westeuropas. Kokoschkas künstlerische Haltung prägte, wie könnte es anders sein, das Lehrprogramm der Sommerakademie, das jeweils aus vier Klassen bestand.

Geschichte der Sommerakademie nach Oskar Kokoschka

Mit Hermann Stuppäck folgte Kokoschka 1964 der ehemals ranghöchste Wiener NS-Kulturfunktionär nach, der 1962 – 76 auch Präsident des Salzburger Kunstvereins war und die Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg bis 1980 leitete. In den 1960er und 1970er Jahren wurde das Lehrprogramm einem Pluralismus der „Gleichberechtigung der Ungleichartigen“ geöffnet, in der alle damaligen Tendenzen vertreten waren. Stuppäck etablierte Grundkurse mit technischen Schwerpunkten und Kurse für Fortgeschrittene. Unter seiner Direktion erreichte die Sommerakademie mit bis zu 650 Studierenden die höchsten Teilnehmerzahlen.

Wieland Schmied war von 1981 – 1999 Präsident der Sommerakademie. In seiner Programmgestaltung ging es ihm um eine ausgewogene Balance von Kontinuität und Innovation. Seine Ära zeichnete sich vor allem durch ein von ihm aufgebautes Netzwerk internationaler KünstlerInnen und TheoretikerInnen aus, auf das er als ehemaliger Direktor der Kestner-Gesellschaft in Hannover und Direktor des DAAD in Berlin zurückgreifen konnte. Kunsthistorische und theoretische Vortragsreihen über klassische moderne Kunst, über aktuelle Kunsttendenzen der 1980er Jahre, über aktuelle urbane und architektonische Entwicklungsprozesse, sowie Diskussionen und Symposien über die Postmoderne oder über „Kunst im öffentlichen Raum“, repräsentierten den aktuellen Kunstdiskurs. Wieland Schmied reagierte auf die Öffnung der Grenzen im Jahr 1989 durch die vermehrte Integration von KünstlerInnen und ExpertInnen aus Osteuropa, die seit den 1990er Jahren auf der Sommerakademie präsent sind.

Barbara Wally begann 1981 mit Wieland Schmied als Geschäftsführerin und übernahm 1999 die Gesamtleitung der Sommerakademie als Direktorin bis 2009. Ihre Ära war geprägt durch eine Politik der Öffnung über Europa und die westliche Kunst hinaus. In einer Epoche der Abschottungen und Ausgrenzungen fokussierte sie Lehrprogramme mit übergreifenden Inhalten, die den künstlerischen Entwicklungen im Rahmen globaler Prozesse Rechnung trugen.

In den späten 1980er Jahren forcierte sie die Öffnung der Sommerakademie für Künstlerinnen aus den ehemaligen Ostblockstaaten. Seit den 1990er Jahren lud Barbara Wally vermehrt Künstlerinnen, vor allem Protagonistinnen der feministischen Kunst, aus aller Welt als  Lehrende ein, die neue Lehrinhalte, wie Body Art, Medienkunst, installative und performative Konzepte, vermittelten. In ihrer Ära hat sie das theoretische Begleitprogramm ausgedehnt und vertieft, u.a. mit diskursiven Veranstaltungen wie Künstlergesprächen unter dem Titel „The Artist Him/Herself“. Barbara Wally gelang es durch gezielte Einladungspolitik und internationale Kooperationen die Internationale Sommerakademie global zu positionieren. Gesellschaftspolitische Fragestellungen wie Ökonomisierung und Privatisierung von Kunst, die Rolle des/r Künstlers/in in der Gesellschaft, die Verwischung der Bereiche Kultur, Unterhaltung und Information etc., prägten das Kursprogramm dieser Jahre mit. In den letzten Jahren spielten gesellschaftspolitische Fragestellungen innerhalb globalisierter und neoliberaler Systeme eine große Rolle.

KünstlerInnenliste 1981 bis 2009

Malerei

Mohamed Abla, Siegfried Anzinger, Attersee, Donald Baechler, Monika Baer, Ina Barfuß, Hans Baschang, Ákos Birkás, Erwin Bohatsch, Jacobo Borges, Bernadette Bour, Arik Brauer, Sandro Chia, Corneille, Gunter Damisch, Antonio Dias, Georg Eisler, Robert Feintuch, Adolf Frohner, Rupprecht Geiger, Raimund Girke, Leon Golub, Gotthard Graubner, Johannes Grützke, Dieter Hacker, Xenia Hausner, Giselbert Hoke, Moni K. Huber, Jörg Immendorff, György Jovánovics, Martha Jungwirth, Siegfried Kaden, Milan Knizák, Howard Kanowitz, Per Kirkeby, Anton Lehmden, Li Songsong, Markus Lüpertz, Ingeborg Lüscher, Bruce McLean, Georg Meistermann, Mario Merz, Anna Meyer, Josef Mikl, Irina Nakhova, Hermann Nitsch, Oswald Oberhuber, Watts Ouattara, Robin Page, G.K. Pfahler, Katrin Plavcak, Peter Pongratz, Bridget Riley, Hella Santarossa, Hubert Schmalix, Hubert Scheibl, Dierk Schmidt, Joan Semmel, Nancy Spero, Strawalde, Sturtevant, Emilio Vedova, Thomas Wachweger, Eva Wagner, Ben Willikens, Gerd Winner, Xie Nanxing, Yi Chen, Bernd Zimmer, Gerlind Zeilner, Shan Zuo und Da Huang Zhou.

Plastik und Skulptur

Claudia Ammann, Kosta Angeli Radovani, Kengiro Azuma, Frida Baranek, Hella Berent, H.J. Breuste, Vlassis Caniaris, Miloslav Chlupác, Alice Creischer, Nancy Davidson, Lauren Ewing, Gerda Fassel, Ojars Feldbergs, Tone Fink, Lothar Fischer, Judy Fox, Katharina Fritsch, Wang Fu, Makoto Fujiwara, Asta Gröting, Julie Hayward, Magdalena Jetelová, Ivan Kafka, Kiki Kogelnik, Azade Köker, Alf Lechner, Janez Lenassi, Alois Lindenbauer, Thomas Link, Eileen MacDonagh, Hubert Maier, Masayuki Nagase, Irina Nakhova, Paloma Navares, Waldemar Otto, Josef Pillhofer, Rona Pondick, Karl Prantl, Gernot Rumpf, Michael Schoenholtz, Chihiro Shimotani, Andreas Siekmann, Jeanne Silverthorne, Kiki Smith, Rolf Szymanski, Susanne Tunn, Günter Unterburger, Imre Varga, Monika Verhoeven, Franz Erhard Walther, Andreas von Weizsäcker, Magdalena Wiecek, Josef Zenzmaier.

Zeichnung und Grafik

Jirí Anderle, Hella Berent, Uwe Bremer, Ernst Caramelle, Jim Dine, Anton Drioli, Andrea Fogli, Ava Gerber, Izabella Gustowska, Joan Hall, Rudolf Hradil, Stephanvon Huene, Leiko Ikemura, Zygmunt Januszewski, Vera Khlebnikova, Michèle Lemieux, Kurt Löb, Marie Marcks, Gregory Masurovsky, Dora Maurer, Friedrich Meckseper, Michael Morgner, Eva Möseneder, Tony Munzlinger, Luis Murschetz, Kunito Nagaoka, Willem Oorebeek, Werner Otte, Giulio Paolini, Jürgen Partenheimer, Dan und Lia Perjovschi, Krystyna Piotrowska, M.E. Prigge, Gerhard Rühm, Jiri Salamoun, Konrad Balder Schäuffelen, Louise Schmid, Martin Schmidl, Walter Schmögner, Rudolf Schönwald, Fritz Schwegler, Adriena Simotová, Yoshi Takahashi, André Thomkins, Werner Tübke, Markus Vallazza, Jan Voss, F.K. Waechter, Konrad Winter, Reiner Zimnik.

Intermediäre Klassen, Installation, öffentliche Interventionen

Ai Weiwei,  Guillaume Bijl, Agnes Denes, Jan Fabre, Tone Fink, Geoffrey Hendricks, Dick Higgins, Friedensreich Hundertwasser, Alfredo Jaar, Ilya & Emilia Kabakov, Allan Kaprow, Gülsün Karamustafa, Wolfram P. Kastner, Alison Knowles, Brigitte Kowanz, Liliana Moro, Roman Opalka, Eduardo Paolozzi, Marie-Louise von Plessen, Otto Piene, Anne Poirier, Werner Ruhnau, Konrad Balder Schäuffelen, Daniel Spoerri, Christian Tomaszewski, Günther Uecker, Wolf Vostell, Efthymios Warlamis, Andreas von Weizsäcker, Emmett Williams, Dorothee von Windheim.

Schmuck - Mode - Design

Giampaolo Babetto, Maria Blaisse, Esther Brinkmann, Caroline Broadhead, Johanna Dahm, Florian Ladstätter, Modebus, Erico Nagai, E.R. Nele, Robin Quigley, Peter Skubic, Josef Symon, Manuel Vilhena, Christoph Zellweger.

Fotografie

Dieter Appelt, Heinz Cibulka, Lynne Cohen, Nancy Davenport, Ines Doujak, Bernhard Fuchs, Verena von Gagern, Nan Goldin, Tamarra Kaida, Friedl Kubelka, Reiner Leist, Erich Lessing, Simone Nieweg, Roger Palmer, Qiu Zhijie, Rivka Rinn, Lorraine O'Grady, Michael Schmidt, Katharina Sieverding, Annegret Soltau, Linda Troeller.

Architektur/Design

Hitoshi Abe, Raimund Abraham, Friedrich Achleitner, Peter Cook, COOP Himmelblau, Günther Domenig, Shuhei Endo, Johann Gsteu, Itsuko Hasegawa, John Hejduk, Hans Hollein, Wilhelm Holzbauer, Arata Isozaki, Momoyo Kaijima, Josef Paul Kleihues, Friedrich Kurrent, Vittorio M. Lampugnani, Mark Mack, Kent Martinussen, Marcello Morandini, Ryue Nishizawa, Laurids Ortner, Gustav Peichl, Richard Plunz, Paolo Piva, Marjetica Potrc, Kazuyo Sejima, Otto Steidle, Heinz Tesar, Takaharu Tezuka, Yui Tezuka, Günter Zamp Kelp.

Video und Film

Klaus vom Bruch, Ellen Cantor, Valie Export, Feng Mengbo, Nan Hoover, Anna Konik, Peter Kubelka, Marie-Jo Lafontaine, Gerhard Lechenauer, Zhao Liang, Shirin Neshat & Shoja Azari, Ulrike Rosenbach, Studio Azzurro, Diana Thater, Milica Tomic, Steina und Woody Vasulka.

Bühnenbild

Rosalie, Günther Schneider-Siemssen.

Theoretische Seminare

Lynne Cooke, Boris Groys, Dieter Honisch, Robert Jungk, Heinrich Klotz, Wolfgang Kudrnofsky, Michael Lingner, Federik Mirdita, Sturtevant.

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