Die Malerei wurde spätestens seit den 1960er Jahren immer wieder totgesagt, dennoch erlebt sie kontinuierlich ihre Auferstehung. Sie ist das künstlerische Genre, das sich hartnäckig als die Königsdisziplin der Kunst am Leben erhält, das am Kunstmarkt präsent ist und sich dort großer Beliebtheit erfreut und von vielen mit Kunst schlechthin gleichgesetzt wird. Auch wenn manche Großausstellungen (z. B. Dokumenta X) fast ganz auf Malerei verzichten, ist das Tafelbild ein Medium, in dem wichtige künstlerische und ästhetische Diskurse verhandelt werden. Ein Schwerpunkt des Kursprogramms der Sommerakademie 2010 mit insgesamt sieben Kursen widmet sich diesem Medium. Diese Diskussion fragt nun: Was ist gute/schlechte Malerei, was wird heute im Tafelbild verhandelt, unterscheidet sich Malerei grundlegend von anderen Genres? Drei Lehrende an der Sommerakademie diskutieren darüber mit Susanne Neuburger, u. a. Kuratorin der Ausstellung Bad Painting - Good Art im Mumok, Wien 2008.
Die abstrakten Grundformen sind die konzeptuelle Grundlage für Christina Zurfluhs Malereiplastiken. Durch den bewussten Akt ihrer Überlagerungen entwirft sie eine Oberfläche, die das Thema der Dekonstruktion, des Verhüllens und Verdeckens, der Zerstörung der reinen Form als theoretische Basis ihres gesamten Werks aus Zeichnung, Malerei und Plastik kennzeichnet. Diesem konzeptuellen Ansatz steht die Farbigkeit der Arbeit entgegen, die aus einem momentanen Erlebnis oder aus einer Stimmung heraus entsteht und somit einer impulsiven und zum Teil einer unkontrollierten Handlung entspricht. Sie verbindet die ausgewählten Formen und ihre Platzierung auf der Oberfläche mit dem automatischen, emotionalen Gestus der Malerei und stellt gleichzeitig Form und Farbe, Konzept und inneren Impuls, Komposition und Dekomposition als gleichwertige Möglichkeit der Oberflächengestaltung vor, die miteinander verwoben werden und sich gegenseitig aufheben. Die Objekthaftigkeit des Bildes wird nicht zurückgedrängt, es wird nicht versucht, das Bild zur reinen Wahrnehmung zu machen. Die Schichten bewirken nicht nur physische Präsenz und Gewicht, sie sind auch eine Vielzahl unterschiedlicher Bilder, die in der Bearbeitung, in der Aushöhlung und in der Auffüllung wieder zu einem Objekt werden.
Christina Zurfluh wurde in Zug / Schweiz geboren. Sie studierte an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien.
Einzelausstellungen
2008 Newrealism, Galerie mezzanin, Wien. 2007 New Forces New Faces, Kunstraum Kreuzlingen, Schweiz. 2006 Ghostpaintings - Paintingghosts, Galerie Brigitte Weiss, Zürich und Galerie mezzanin, Wien. 2005 Flätthüntschsauft, Studio Neue Galerie, Graz.
Gruppenausstellungen
2008 Variation1, Konzerthaus, Wien. 2007 Top of Central Switzerland, Kunstmuseum Luzern. 2005 Die Ordnung der Natur, O.K.Centrum, Linz. 2004 Paula's Home, Lentosmuseum, Linz. 2000 Das Gedächtnis der Malerei, Aargauer Kunsthaus, Aarau.
Publikationen
Christina Zurfluh: Flätthüntschsauft, Neue Galerie Graz am Landesmuseum Joanneum, Graz 2005.
Christina Zurfluh: Paintings, Edition Unikate, Zürich, 2000.
Der Gang ins Archiv und die Recherche bilden den Ausgangspunkt der Arbeiten von Sonia Abian. Unabhängig vom Medium - Video, Malerei, Objekte, Installation - sind es Diskurse und kunsthistorische Bilder, die sie als Träger einer Ideologie analysiert. Dabei interessieren sie besonders die Machtbeziehungen, die in diesen Bildern durch Legitimierung von bestimmten Rassen- und Geschlechterpositionen gebaut werden sowie ihre Gegenwärtigkeit.
Sonia Abian wurde 1966 in Argentinien geboren und studierte in Posadas und Barcelona.
Gruppenausstellungen
2007 Documenta 12, Kassel. 2006 Die Normalität, Palais de Glace, Buenos Aires. Paradiesische Handlungsräume Secession, Wien. 2004 Wie wollen wir regiert werden? MACBA, Barcelona. Ex-Argentina Ludwig Museum, Köln.
Publikationen
Supermarketgate. Documenta Magazine Nº3, Education. Documenta und Museum Fridericianum GmbH, Kassel 2007.
Charles Esche. The possible gesture (provisory title) Cream 3, Contemporary Art in Culture, Phaidon Press Limited, London 2003.
Roberto Ohrt ist Kunsthistoriker, Autor und Kurator. Er promovierte 1988 (Phantom Avantgarde - Eine Geschichte der Situationistischen Internationale und der modernen Kunst, Hamburg 1990) und veröffentlichte zahlreiche Schriften zu den Situationisten und Künstlern wie Martin Kippenberger, Veronique Bourgoin, Raymond Pettibon, Andreas Hofer, Paul Thek, André Butzer oder Jason Rhoades. Er organisierte Ausstellungen für das Centre Georges Pompidou, das ZKM Karlsruhe, den Golden Pudel Club (Hamburg), die Transcontinental Nomadenoase (Miami und Mexiko City) oder das Museum der Moderne Salzburg. Mitbegründer der Akademie Isotrop (Hamburg, 1996-2001) und der Edition Silverbridge (Paris/San Francisco).
Roberto Ohrt wurde 1954 in Santiago de Chile geboren und lebt in Hamburg.
Publikationen
Roberto Ohrt mit John Krois, Hg.: Edgar Wind, Heilige Furcht, Fundus Verlag, Hamburg 2009.
Roberto Ohrt (Hg.): Paul Thek - Tales the Tortoise Told Us, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2008.Susanne Neuburger ist Kunsthistorikerin und Kuratorin und seit 1983 am Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien. Sie kuratiert zahlreiche Ausstellungen (so auch Bad Painting - Good Art, Mumok 2008) und Projekte und publiziert Texte zur zeitgenössischen Kunst und Kultur.
Ausstellungen: 2009 Nam June Paik. Music for All Senses (Mumok, Wien). Bertha von Suttner revisited (mit Hedwig Saxenhuber, Kunst im öffentlichen Raum NÖ, Harmannsdorf).
