Seit einigen Jahren kursiert das Schlagwort der "künstlerischen Forschung", ein Begriff, der nach wie vor völlig unklar ist. Seit den 1990er Jahren beobachten wir verstärkt KünstlerInnen, deren Arbeit auf Recherche beruht und die wissenschaftliche Erkenntnisse in ihre Arbeiten einfließen lassen, und es gibt KünstlerInnen, die mit ihren Arbeiten einen Beitrag zu unterschiedlichen Forschungsfeldern (z. B. der Zeitgeschichte) leisten. Im Zuge des Bologna-Prozesses entwickeln Kunsthochschulen darüber hinaus zunehmend Programme für "künstlerische Forschung", u. a. um an bestimmte Gelder heranzukommen. Nach wie vor gibt es jedoch keinen Konsens, was künstlerische Forschung sein soll. Ist es ein neues Genre? Eine künstlerische Methode oder Technik, wie grenzt sich künstlerische Forschung von wissenschaftlicher Forschung ab? Vier Lehrende der Sommerakademie, die an sehr unterschiedlichen künstlerischen Forschungsvorhaben arbeiten und ein Philosoph, diskutieren an diesem Abend ihre Projekte und Herangehensweisen an diese Thematik.
Alice Creischer und Andreas Siekmann arbeiten sowohl individuell als auch gemeinsam. Sie schreiben Texte u.a. in den Zeitschriften springerin, Texte zur Kunst und ANYP und beteiligten sich an zahlreichen Gruppenprojekten u.a. Messe 2ok, Köln 1995. Sie arbeiten zurzeit an dem Projekt Principio Potosí, das 2010 in der Reina Sofia, Madrid und im Haus der Kulturen der Welt, Berlin zu sehen sein wird. 2004 kuratierten sie das Ausstellungsprojekt ExArgentina im Museum Ludwig/Köln, 2002 die Ausstellung Die Gewalt ist der Rand aller Dinge in der Generali Foundation,Wien.
Gemeinsam mit Josef Strau und Amelie von Wulffen realisierten sie den Knetgummi Animationsfilm Die Krumme Pranke, 1997.
Alice Creischer (1960) setzt sich in ihren Arbeiten, Zeichnungen, Collagen, Malerei, Installationen u.a. mit historischen, ökonomischen und politischen Themen auseinander, die sie zu poetischen Tableaux kondensiert.
Einzelausstellungen
2008 Zum osmotischen Druckausgleich von Reichtum, MACBA, Barcelona. 2001 The Greatest Happiness Principle Party, Secession, Wien.
Ausstellungsbeteiligungen
2009 Textiles, MUHKA, Antwerpen. 2007 Documenta12, Kassel. 2006 After Conceptual Art, Generali Foundation, Wien.
Andreas Siekmann (1961) beschäftigt sich in seinen langfristig angelegten Zeichnungsserien, Filmen und architektonischen Modellen mit der Privatisierung des öffentlichen Raums und der Restrukturierung von Arbeitsverhältnissen unter den Bedingungen der Globalisierung.
Einzelausstellungen
2002 Die Exklusive. Zur Politik des ausgeschlossenen Vierten, Salzburger Kunstverein, Salzburg. 2006 Faustpfand, Treuhand und die unsichtbare Hand, Heidelberger Kunstverein, Heidelberg. 2007 und 2008 Galerie Barbara Weiss, Berlin; 2010 Museum Ludwig, Köln.
Gruppenausstellungen
2007 Documenta 12, Kassel. 2006 This is not for you. Sculptures as tropes of criticality, Thyssen-Bornemisza Art Contemporary, Wien. Every Day … another artist/work/show, Salzburger Kunstverein, Salzburg. 2004/05 How do we want to be governed? Miami Art Central, Miami; Secession, Wien; Witte de With, Rotterdam. 2003 The Structure of Survival, 50. Biennale, Venedig. 2002 Documenta 11, Kassel.
Publikationen
A.C.: Zum osmotischen Druckausgleich von Reichtum, MACBA, Barcelona 2008.
A.S.: Dresden Postplatz, Berlin 2006.
A.C.: The greatest Happiness Principle Party, Secession, Wien 2001.
A.S.: Aus: Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Portikus, Frankfurt a.M. 1997.
In ihren Fotografien, Objekten, Installationen und Performances untersucht Ines Doujak Konstruktion und Rollen von Stereotypen in Bezug auf Geschlechterrollen und Rassismus. 2005 setzte sie sich im Salzburger Kunstverein in ihrer Einzelausstellung Dirty Old Women, Teil eines länger dauernden Projekts von Workshops, Performances und Ausstellungen, mit Bedeutung, Repräsentation und Erfahrungen alter Frauen in unserer Gesellschaft auseinander. Auf der Documenta 2007 war ihre Arbeit Siegesgärten zu sehen, ein riesiges Beet auf Holzstützen, in dem Samensäckchen zum Thema Biopiraterie steckten.
Gruppenausstellungen
2009 Sozialer Raum, Temporary Space, Wien. Boondocks, Kunsthalle Faust, Hannover. No Sound Of Music, Salzburger Kunstverein, Salzburg. Niet Normaal, Beurs van Berlage, Amsterdam. A Ladies Almanack, Tranzit CZ, Prag. Galerie Konzett, Wien. Freaky, Ballhaus Naunynstraße, Berlin. 2008 Recollecting, Museum für Angewandte Kunst, Wien. Biennale Guymri, Armenien. ACTION FIELD KODRA, F.A.R., Thessaloniki. Peripheral vision and collective body, MUSEION, Bozen. K08, Künstlerhaus Klagenfurt. Natural Relations (Naravni odnosi), City of Women, Galerija Skuc, Ljubljana. Ines Doujak und Martin Walde, Zacherlfabrik, Wien. Bildpolitiken, Salzburger Kunstverein, Salzburg. Kunst im Garten, Tulln, Niederösterreich. MATRIX. Geschlechter/Verhältnisse/Revisionen, Museum auf Abruf, Wien. Lange nicht gesehen, MUSA Wien. 2007 Die Kunst des Alterns, Stadtgalerie Schwaz. SOUFFLÉ, Kunstraum Innsbruck. Documenta 12, Kassel. Normal Love, Künstlerhaus Bethanien, Berlin.
Publikation
Ines Doujak. Siegesgärten/Victory Gardens, Schlebrügge.Editor, Wien 2008.
Martin Schmidls künstlerische Arbeit ist in den Bereichen Zeichnung, künstlerisch-dokumentarische Projekte und kulturwissenschaftliche Recherche verortet. Zeichnen ist für ihn die durchgängige Methode, von der aus er seine unterschiedlichen Arbeiten konzipiert. Seine rein zeichnerischen Projekte nutzen Zeichnungen als Rohmaterial für die Entwicklung von künstlerischen Publikationen und Installationen. Die Felder Dokumentation, Statement und Karikatur stehen dabei im Mittelpunkt seines Interesses.
2004, 2006 und 2009 hat er im Verlag Walther König Bücher mit Zeichnungen veröffentlicht (uni-ball eye mitsubishi I-III). Ausgehend von der Kritik spezifischer Gestaltungskonzepte von Ausstellungen forscht und schreibt er über die Ausstellungen im ehemaligen KZ Dachau seit 1945 (Postwar Exhibition Design, erscheint 2010).
Für die internationale Ausstellung Skulptur Projekte Münster 07 übernahm er die Gesamtgestaltung aller Vermittlungsmedien und Publikationen. Martin Schmidl studierte Malerei, Freie Grafik und Kommunikationsdesign in München, Karlsruhe und an der Städelschule in Frankfurt am Main. Seit Ende der 1990er Jahre unterrichtete er an verschiedenen Kunsthochschulen u.a. der Merzakademie Stuttgart, der Kunstakademie München, der School of Art Newcastle, der Kunstakademie Münster und der Internationalen Sommerakademie in Salzburg. 1998 war er in Frankfurt Gründungsmitglied der Künstlergruppe finger, wo er in den 1990er Jahren einen Projektraum für Kunst betrieben hat.
Martin Schmidl (1962) lebt in Aachen.
Einzelausstellungen
2004 Uni-ball, Buchhandlung Walther König, Köln. 2002 Aura Industrie, Forum Stadtpark Graz. 1998 Readers Profile, Apex Art, New York, (finger).
Gruppenausstellungen
2009 Periodic Table, Galerie Traversée, München. Public Generation, Neuer Aachener Kunstverein. 2007 Von der Abwesenheit des Lagers, Kunsthaus Dresden. 2001 Förderpreis des Landes Steiermark, Neue Galerie Graz.Jens Badura leitet die Agentur "konzeptarbeit" in Salzburg. Derzeit ist er Dozent für Philosophie, Kulturtheorie und Ästhetik an der Salzburg Experimental Academy of Dance (SEAD), der Universität Salzburg sowie an der Universität Witten/Herdecke; außerdem ist er als Supervisor im Bereich Kulturphilosophie am London Consortium und Research Associate am Internationalen Zentrum für Kultur und Technikforschung der Universität Stuttgart (IZKT) tätig.
